Hühnerrettung in Spanien
Artikel geschrieben für die deutsche Tierschutzpartei (Mensch, Umwelt, Tierschutz) www.tierschutzpartei.de
August 2014 ruschte ich rein zufällig in die
Hennenrettung hinein: Ich beobachtete, wie ein Bauer meines Dorfes einer
weissen Henne das Bein brach und sie dann achtlos mitten in den Dreck des seit
Jahren nicht gesäuberten Hühnerstall warf. Empört warf ich ihm seine Grobheit
vor und forderte von ihm, dass, wenn die Henne schon sterben müsse, er sie
wenigstens sofort töten und sie nicht langsam verenden lassen solle. Er winkte
müde mit den Worten „die verreckt schon von allein“ ab.
Ich rauschte wütend in den Hühnerstall hinein, wobei ich
fast bis zu den Knöcheln im Hennendreck versank, nahm das vor Schreck und
Schmerzen steife Tier auf und fuhr mit ihm zur nächsten Tierklinik. Wenn die
Henne schon sterben musste, dann wenigstens durch eine Spritze und nicht über
Tage hinweg sich selbst überlassen unter Schmerzen und Angst.
Ab da begann ich, alle Hühnerställe, an denen ich
vorbeikam, mit kritischeren Augen zu betrachten. Dass es nicht bei der sich zur Alphahenne
entwickelnden Othilie blieb, war irgendwie logisch. Bald kamen Clothilde,
Kunigunde, Sieglinde und viele mehr dazu. Alle aus unzumutbaren Zuständen
gerettet. Einige waren „nur“ vollkommen unterernährt und voller Parasiten,
andere hatten Krankheiten, die mir völlig unbekannt waren. So wie den Tierärzten
in meiner Umgebung, die auf Katz und Hund spezialisiert waren. Ratlos stand ich
vor den offensichtlich leidenden Hennen und wusste nicht, wie ich helfen
konnte.
Erst suchte ich bei Hühnerhaltern vor Ort Rat, deren
Lösung und Heilung des Huhns darin bestand, demselben doch den Kopf
abzuschlagen. Dann machte ich mich auf ins Internet und nach vielem Herumsurfen
im Netz und einigen Fehlversuchen in Sachen Heilung, stiess ich auf das Forum der Webseite Hühner-Info.de.
Von dort überhäufte man mich nicht nur mit guten Ratschlägen
zur Behandlung der kranken Hühner und wertvollen Tipps zur Hühnerhaltung,
sondern bald kamen auch Päckchen mit Medikamenten und Futterzusatzmitteln für
die Tiere bei mir Zuhause an. Etwas später sogar persönliche Besuche.
Vollbeladen mit lieben Grüssen von den „Foranern“ und mit Geschenken für die
Hennen und mich selbst. Ich war und bin noch immer vollkommen überwältigt von
dieser Anteilnahme und dem Interesse an den geretteten Hühnern und meiner
Person. Dank ihnen konnte ich so manche misshandelte und kranke Henne retten.
Sogar Kosten für Analysen und Tierarzt wurden für die Hühner übernommen.
Seit Jahrzehnten bewege ich mich im Tierschutz, in denen
ich mich den „üblichen“ Tiere widme: Katzen, Hunden, Pferden und Kampfstiere.
Natürlich wusste ich, dass Nutztieren unermessliches Leid angetan wird (deshalb
verzichte ich so gut ich kann auf tierische Produkte, vor allem auf Fleisch),
aber man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen.
Bis mich dann Othilie mit der Nase auf die Pein ihrer
Artgenossen stiess. Als ich zufällig von einem Tiermarkt in meiner Gegend
erfuhr, konnte ich nicht umhin, mich dort umzuschauen.
Viele Hennen und wenige Hähne verschiedener Rassen wurden
in enge Käfige gesperrt, feilgeboten. Hasen, Rebhühner und Tauben teilten das
gleiche Schicksal. Mein Auge fiel auf einen Stand, in dessen Käfigen recht
zerzauste, ausgemergelte und fast nackte Hennen zu sehen waren. Zum Erbarmen
sahen sie aus.
Auf meine Frage nach dem Aussehen dieser Tiere, erklärte
man mir, dass dies ausgediente Legehennen seien, die man nun für 2,50 € das
Stück als Suppenhennen verkaufen würden.
Diese Tiere waren erst ein Jahr alt, blutjung also noch.
Dennoch wurden sie als „alt“ ausrangiert, weil sie nicht mehr die Legeleistung
brachten, die man ihnen genetisch auferlegt hatte.
Immer wieder fuhr ich Sonntags dorthin und rettete ein
paar Hennen vor dem
Suppentopf. Ich wollte wenigstens einigen wenigen nach
einem versklavten Dasein noch ein schönes Leben bescheren. Mit einer Spende der
Oberstufenklasse O7b aus Beverstadt konnte ich vor Monaten gleich 5
Suppenhennen auf einmal vor dem grausamen Schicksal, das sie erwartete, retten.
Sie tummeln sich nun mit den zwischenzeitlich um die 40
Hennen auf meinem Gelände. Und dass sich noch so junge Menschen für ein doch so
unscheinbares Tier wie es ein Huhn ist, interessieren, hat mich sehr berührt.
Sind Hühner doch nichts weiter als stets zur Verfügung stehende Eierautomaten
und billige sowie bequeme Fleischlieferanten. Weltweit millionenfach unter
grausamen Bedingungen versklavt.
Legehennen werden nach nur einem Jahr wegen sinkender
Legefähigkeit „ausgesondert“. Meist enden sie noch jung im Futter für unsere
Katzen und Hunde. Von den Millionen von ausgemusterten Hennen gibt es keinen
Platz auf dieser Welt. Tierschützer können nur wenige dieser Tiere in gute
Hände vermitteln. Der Grossteil von ihnen wird einfach „verarbeitet“.
Auch ich kann nicht alle retten. Zu gerne würde ich jeden
Sonntag zum Tiermarkt fahren, um mit einigen Suppenhühnern unter dem Arm wieder
nach Hause zu fahren. Doch das würde meine Kapazitäten übersteigen.
Wenigstens konnte ich einigen die Möglichkeit geben, artgerecht,
bestens ernährt, mit einem vom Hühnerforum gespendeten Hühnerstall, der sogar
eine „chill-out“zone hat: mit Wärmelampen und dicker Strohschicht versehen, zu
leben. Und wird eines der Mädels krank, stehen mir sofort die Foraner mit Rat
und Medikamenten zur Seite. Zwischenzeitlich habe ich eine bestens sortierte Hühnerapotheke,
die bei jedem Tierarzt blanken Neid hervorrufen würde.
Der Ernährung der Hennen muss spezielle Aufmerksamkeit
gewidmet werden. Von wegen nur Küchenabfall und ein bisschen gebrochener Mais.
Weit gefehlt. Eine Henne gleicht einem Hochleistungsathleten, wird aber ernährt
wie ein Bettler. Nun, in Spanien wenigstens.
Das häufige Eierlegen verlangt von der Henne viel Kraft,
zieht ihr Mineralien, Vitamine und Proteine aus dem Körper, die durch
entsprechende Futteraufnahme wieder ersetzt werden müssen.
Daher kümmere ich mich mit viel Sorgfalt um die Ernährung
meiner Damen, damit sie nach einem Leben voller Misshandlung, Entbehrung und
falscher Fütterung schnell auf die Beine kommen. Nicht nur wegen der
Nährstoffe, die sie brauchen, um trotz des täglichen Eierlegens weiter in Form
zu bleiben.
Auch, weil so gut wie alle Hennen fürchterlich kupierte
Schnäbel haben. Manche haben gerade noch ein paar Milimeterstumpen, mit denen
es unmöglich ist, Stücke aus grösseren Happen wie Äpfeln oder Kohlblättern zu
reissen.
Daher wird alles schnabelgerecht geschnitten, gerieben
oder leicht vorgegart, um den verstümmelten Hennen die Nahrungsaufnahme zu
erleichtern. Was den Vorteil hat, dass die abgemagerten Tiere schnell wieder
ihr Normalgewicht erreichen und ein dichtes, glänzendes Federkleid bekommen.
Und ja, Hennen machen ordentlich Arbeit, auch, weil es
doch recht schmutzige Tiere sind was die Verrichtung ihrer Bedürfnisse angeht.
Dennoch ist es eine Freude ihnen zuzusehen, wie sie ihr Leben geniessen. Daran
teilzunehmen, wie sie sich langsam erholen und dann vielleicht sogar zu einer
Alphahenne aufsteigen, ist ein regelrechtes Erlebnis für mich.
Nach und nach lerne ich ihre verschiedenen Laute zu
unterscheiden und zu deuten, ihre Körperhaltung zu interpetieren. Auch durfte
ich schon hautnah erleben, wie Küken aus Eiern schlüpfen und wie sie von der
Glucke gross gezogen wurden. Es ist eine wunderschöne Erfahrung, zuzusehen, wie
die Mutterhenne ihre Küken in die Geheimnisse eines Hühnerlebens einweiht.
Tja, so schnell kann´s gehen. Vom Kampfstier auf´s Huhn
gekommen.
Von hier aus möchte ich allen „Foranern“ des Hühner-Info.de von
Herzen für all die Unterstützung und Anteilnahme danken.
Ganz besonders Angelika Gruner, ohne deren wertvollen Ratschläge und deren unermüdlichen
Versorgung mit allen wichtigen Medikamenten viele der geretteten, aber kranken
Hennen sich jetzt nicht des Lebens erfreuen würden.
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