Othilie
und der Eindringling
Othilie:
Jetzt aber. Den Kopf hab ich schon mal drin. Ha. Jetzt muss ich nur noch den Rest irgendwie reinkriegen.
Othilie:
Kleiner Imbiss gefällig?
Jetzt
soll mal einer sagen, ich sei nicht gelenkig. Hehe.
Othilie:
So, hab nichts mehr übrig gelassen. Soll die doch zusehen, wie sie wieder an verschlagenes Ei kommt.
Othilie:
Jetzt
noch ein bisschen leckeren Weizen zum Nachtisch.
Othilie:
Oh je. Auch das noch. Ich stecke fest. Und jetzt?
Othilie:
Ächz.
So was aber auch. Und zerstör mir jetzt so meine schöne Halskrause. Und dabei war ich
erst gestern noch beim Friseur.
Das ganze Geld ist jetzt zum Teufel.
Menschenskinder, heut´ geht aber auch
alles schief.
Othilie:
Uff. Geschafft. Aber jetzt seh ich aus wie ein gerupftes Huhn. Meine schönen Halsfedern. Heul.
Glaube, hier hilft nur noch konstruktiver Gedankenaustausch. Dann werd´ ich wohl mal über meinen Schatten springen müssen.
Othilie säuselt zuckersüss:
Hallo, ich heisse Othilie.
Und wer oder was bist du?
Sieglinde zögernd:
Nun, ich bin Sieglinde.
Othilie: Aha.
Und was machst du in meinem Käfig, wenn ich mal höflich fragen darf?
Sieglinde eingeschüchtert:
Ich weiss nicht. Ich war auf
einmal hier drin. Man hat mich vom Bauern weggenommen, mich gebadet, mich mit
was eingesprüht und dann musste ich auch noch ne bittere Medizin nehmen.
Und
jetzt sitz ich hier und weiss gar nicht, was los ist. Wird man mich hier
auffressen?
Othilie:
Auffressen? Das ich nicht lache. Dies ist einer
der wenigen Orte auf der Welt, an dem wir nicht abgemurkst werden, um dann
knusprig gebraten auf einem Teller zu landen.
Sieglinde atmet auf: Das ist aber ne gute Nachricht.
Dann brauch ich ja keine Angst mehr zu haben.
Othilie:
Schön. Und da du jetzt keine Angst mehr hast,
könntest du ja mal freundlicherweise die Käfigtür aufmachen, oder? Das wär´ wirklich üüüüberaus freundlich von dir. Ich
möchte nämlich heute noch nach Hause kommen. Wenn´s recht ist.
Sieglinde weinerlich: Aber ich hab noch nie ne Käfigtür
aufgemacht. Ich weiss gar nicht wie das geht. Ich kann das nicht.
Ich geb´s auf. Ich kann nicht mehr. Mir reicht´s.
Othilie zieht sich schmollend zurück.
Othilie:
Irgendwann muss die ja mal da rauskommen. Und dann
kann die sich auf was gefasst machen.
So ein blödes Huhn. Also echt. „Ich weiss nicht, wie man
eine Käfigtür öffnet“ (Othilie äfft Sieglinde nach)
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